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Fortbildungsexkursion der Universität Passau für Geographielehrkräfte nach Kenia

In den letzten zwei Wochen der Sommerferien hatten 16 Lehrkräfte die Gelegenheit, während einer Fortbildungsexkursion das ostafrikanische Land Kenia kennenzulernen. Unter der Leitung von Jonas Wagener (Professur für Geographie mit Schwerpunkt Bildung für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Passau) und Charles Ochieng (DISC-Initiatives) haben die Teilnehmenden auf der 16-tägigen Rundreise ihre vielfältigen Eindrücke diskutiert und sich über deren Umsetzung in der Unterrichtspraxis ausgetauscht.

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Die Exkursionsgruppe auf dem Tower des Kenyatta International Convention Centre (KICC) in Nairobi; Foto: Universität Passau/ Jonas Wagener.

Die Exkursionsgruppe auf dem Tower des Kenyatta International Convention Centre (KICC) in Nairobi; Foto: Universität Passau/ Jonas Wagener.

Zu den Themen gehörten unter anderem die Stadtentwicklung Nairobis, die Geomorphologie des Ostafrikanischen Grabenbruchsystems, der Safari-Tourismus, Teeanbau im Hochland sowie Bottom-up-Initiativen von Community-based Organisations (CBO) in den Slums von Nairobi und in Ol Donyo Sabuk.

Neben einem Rundgang durch den modernen Central Business Disctrict Nairobis waren der Besuch der Slums Korogocho und Kibera und das dortige Treffen von CBOs wichtige Lerngelegenheiten. Die Nyoda Initiatives bieten unter anderem IT-Kurse für Jugendliche an, und die Avido Foundation – gegründet durch den international renommierten Modedesigner David Avido – engagiert sich in Kibera unter anderem durch die Produktion kostenloser Schulkleidung. Dieses beeindruckende Engagement und die Alltagspraktiken vor Ort werden bisweilen nur wenig im Schulunterricht thematisiert. Häufig dominieren negative Zuschreibungen, die die Slums auf Armut und problematische Lebensbedingungen reduzieren.

Ein besonderes Potenzial von Exkursionen besteht dementsprechend darin, eigene Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen, betont Jonas Wagener: „Unser Denken baut häufig auf stereotypen Gegensätzen wie Stadt versus Land auf. Vor Ort haben wir erfahren, wie komplex es zwischen Stadt und Land zugeht, und dass alleinige Erklärungsmuster wie „Landflucht“ sich empirisch nicht stützen lassen. Stadt und Land sind vielmehr eng miteinander verbunden, Menschen wandern häufig temporär mit ihren Erfahrungen zwischen beidem hin und her und so gehen Stadt und Land auf verschiedenen Ebenen ineinander über.“

Neben Vorträgen und Diskussionsformaten mit kenianischen Expertinnen und Experten hat die Gruppe in Reflexionsrunden die Erkenntnisse zusammengetragen und im Hinblick auf die Unterrichtspraxis diskutiert. „Dass hier nicht nur Teilnehmer aus dem Bayerischen Schulsystem vertreten waren, hat zudem einen Austausch über verschiedene Bildungssysteme sowie Lehr- und Lernkonzepte und deren Perspektiven angeregt: In mehrfacher Hinsicht waren die Teilnehmer so gezwungen, ihre „Bubbles“ zu verlassen“, betont Wagener.

Die Kenia-Exkursionen an der Universität Passau werden stets gemeinsam mit verschiedenen Partnern vor Ort geplant. Charles Ochieng, der in Kenia die vielseitigen Projekte der Donyo Integrated Sports Centre-Initiatives (DISC) koordiniert und die Exkursion mit geleitet hat, sieht verschiedene Potenziale der Fortbildung: „Es war eine wertvolle Möglichkeit für die Lehrkräfte zu erfahren, wie Initiativen vor Ort arbeiten. Nach dem Kennenlernen in Kenia besteht die Chance, über die Schulen in Kontakt zu bleiben. Die Lehrkräfte konnten viele neue Perspektiven und Geschichten für ihren Unterricht in Deutschland mitnehmen“. Die DISC-Initiative vergibt Stipendien, finanziert Schuluniformen und unterstützt Schulentwicklungsprojekte und arbeitet dabei mit Schulen in ganz Deutschland zusammen.

Mit dieser Fortbildungsexkursion leistet die Lehrkräftebildung der Universität Passau einen Beitrag dazu, neuere Debatten zur Darstellung von afrikanischen Staaten und einen postkolonial reflektierten politisch-bildenden Geographieunterricht in die Schulen zu tragen: „So können Diskussionen darüber angestoßen werden, wie etablierte stereotype Vorstellungen im Unterricht verlernt werden können. Im Sinne einer transformativen Bildung ist es immer wieder ein Anliegen, die eigenen Selbst- und Weltsichten auf den Prüfstand zu stellen. Die Diskussionen während der Exkursion haben deutlich gemacht, wie wichtig und anregend es ist, etablierte Sichtweisen immer wieder zu diskutieren, Unterrichtsmaterialien kritisch zu hinterfragen und wechselseitig von Erfahrungen und Ideen der Kolleginnen und Kollegen zu profitieren“, resümiert Wagener.

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